Juristischer Doppeldreisatz

Juristen können offenbar nicht ohne Tagessatz.

Schäpe: […] Die Staatsanwaltschaft geht offenbar bei Marco Reus von einem monatlichen Nettoeinkommen von 180 000 Euro aus, der Tagessatz beträgt also 6000 Euro. Das hochgerechnet auf drei Monatsgehälter, also 90 Tage, ergibt 540 000 Euro.

Was müsste jemand aus unteren Gehaltsklassen im Vergleich zahlen?

Schäpe: Wenn man davon ausgeht, dass jemand ein monatliches Netto von 1200 Euro hat, dann läge der Tagessatz bei 40 Euro, multipliziert mit 90 kommt man auf 3600 Euro.

Wenn normale Menschen aus einem bekannten Monatsgehalt drei Monatsgehälter errechnen, bedienen sie sich einer archaischen Kulturtechnik, der „Multiplikation“. Im konkreten Fall mit einer sogenannten 3.

Die Technik wird in aller Regel von Zweitklässlern als gut handhabbar eingeschätzt.

Regierungssitz Dingenskirchen, 17 Einwohner

Wir wissen, die Hauptstadt von Luxemburg ist nicht besonders groß. Laut Spiegel Online ist aber auch keine Luft mehr nach unten:

Wer einen Besuch dennoch wagt, dem gibt der Autor die besten Tipps für Europas kleinste Hauptstadt.

Luxemburg (Stadt) hat 107247 Einwohner und ist 51,5 km² groß. Das Internetz ist Dein Freund:

Valetta (Malta): 6295 Einwohner, 0,8 km²
Monte Carlo (Monaco): 3034 Einwohner, 0,3 km²
Monaco insgesamt: 36136 Einwohner, 2 km²
Città di San Marino (San Marino): 4214 Einwohner, 7,1 km²
San Marino insgesamt: 32471 Einwohner, 60,6 km²
Andorra la Vella (Andorra): 22546 Einwohner, 12km²
Status Civitatis Vaticanæ (Vatikan): 842 Einwohner, 0,44 km² (Sorry, couldn’t resist.)
Vaduz (Liechtenstein): 5229 Einwohner, 17,3 km²

Jepp, ich weiß, Monte Carlo ist nicht offizielle Hauptstadt von Monaco. Macht aber nix, sogar der ganze Staat ist kleiner und hat weniger Einwohner. Und San Marino ist als Staat auch nur aufgeführt, weil es an Fläche etwas größer ist, aber trotzdem nur ein Drittel der Einwohnerzahl hat.

Also demnächst vor Superlativen nochmal ein bißchen nachlesen, hm?

Alle Zahlen aus Wikipedia.

Steuern und Rechnen, nun ja

Spiegel Online jongliert mit ganzen Haushalten:

Die Regierung rechnet damit, dass die öffentliche Hand durch das neue Gesetz im kommenden Jahr 825 Millionen Euro und 2013 dann 565 Milliarden weniger einnimmt als geplant. Ab 2014 sollen die Mindereinnahmen jährlich bei 585 Millionen Euro liegen.

Ich bin sicher, 2013 werden die den Sprung um das knapp 700fache erst in die eine Richtung und den um das fast 1000fache in die andere schon irgendwie verrechnet kriegen.

Wenn das wenigstens ein übersetzter Artikel wäre, da ist man ja Kummer gewöhnt, allerdings mit Milliarden und Billionen. Vielleicht sollte man mal einen Tausender in einen Korrekturleser investieren. Oder doch eine Million?

Wass soll dass?

Spiegel Online könnte auch Automatismen brauchen:

Dieser Dienst schlägt Brücken: “If This Then That” ist ein stilles Helferlein, dass sich in diverse Webdienste einklinkt und lästige Klickaufgaben ganz automatisch übernimmt.

Ein automatischer Korrekturleser, immer wenn ein neuer Artikel veröffentlicht wird, dass wäre doch mal wass.

Spalter!

Kleines Titeldurcheinander bei Spiegel Online:

Rowan Douglas Williams, Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der Kirche von England, hob das Brautpaar souverän in den Stand der Ehe, Nervosität ließ er sich nicht anmerken.

Nee, Chef vom ganzen ist eine gewisse Frau Windsor. Das war 1534 ja schließlich der Trick von Heinrich.

Nicht, daß ich’s nicht schonmal gesagt hätte …

Medial überlastet

Das Abendblatt ist mit Alternativen überfordert:

Alleine für das deutsche Fernsehen übertragen ARD, ZDF, Sat.1, RTL, N24 und n-tv live – und gleichzeitig. Die Frage sei erlaubt: Geht’s noch? […] Es scheint kaum möglich, am kommenden Freitag von der royalen Kitschposse medial verschont zu bleiben.

Geheimtip: Nicht fernsehen an dem Tag. Erstaunliches Ergebnis: Verschonung.

 

Neiddebatte

Laut Spiegel Online möchte Lammert wohl auch mal guttenbergen:

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) brachte seine Missgunst über den Skandal erneut zum Ausdruck.

Er ist also neidisch auf den Parteikollegen und will auch mal?

Oder war „Mißfallen“ gemeint?

Die längste Parade aller Zeiten?

Das Abendblatt zum CSD-Umzug in Hamburg:

Das lockte über 80.000 Menschen zum Christopher Street Day (CSD) in die Hamburger Innenstadt. Die Besucher feierten die zwei Kilometer lange Parade beim 30. Jubiläum des CSD in der Hansestadt.

Zwei Kilometer? Google Earth ist Dein Freund. Bei der üblichen Strecke der Parade hätte das bedeutet, daß der letzte Teilnehmerwagen an der Langen Reihe losfährt, wenn der erste ungefähr an der Petrikirche angekommen ist. Die Strecke des gesamten Umzugs ist keine fünf Kilometer lang. Was haben die denn da wie gemessen?

Qualitätsjournalismus

Die Süddeutsche kolumniert in Sachen Qualitätsjournalismus:

Dave Berry und seine Kolumne

[…] die populäre Kolumne des Humoristen und Pulitzer-Preisträgers Dave Berry unerlaubt im Internet verbreitet wurde. So fanden sich im Netz unter anderem eine eigene Dave-Berry-Newsgroup und eine Mailingliste […] die Sachen von Berry so sehr, dass er dafür zu sorgen versuchte, […]

Liebe Süddeutsche, bevor wir uns über Qualitätsjournalismus auslassen, recherchieren wir doch erstmal unser Namedropping und finden dabei raus, daß der Pulitzer-Preisträger Dave Barry heißt, hm?

Es gibt auch einen Dave Berry, aber der schreibt nicht, sondern der singt. Und er heißt auch nur so, weil er sich nach Chuck benannt hat.

Städtebau

Der Spiegel sorgt sich ums Stadtbild:

IWF erwartet Marathonsanierung in Griechenland

Und dann? Olympiasanierung? Spartasanierung? Korinthsanierung? Das wird doch wieder ein Faß ohne Boden!

Beobachtungsgabe

Das Abendblatt kommt seinem Dokumentationsauftrag nach:

Was macht der Mann denn da? Diese Frage stellten sich am Wochenende etliche Hamburger, als sie beobachteten, wie in 30 Metern Höhe eine Gestalt auf dem Abendblatt-Ballon bei den Deichtorhallen Schnee schippte.

Ja, was wird er da wohl gemacht haben? Was hat der mehrstündige investigative Journalismus wohl am Ende herausbekommen, nachdem hunderte von ahnungslosen Leserreportern einem schneeschippenden Mann zugeschaut und sich und der Lokalredaktion wieder und wieder die alles entscheidende Frage gestellt hatten, was denn der schneeschippende Mann mit der Schneeschippe auf dem schneebedeckten Ballon denn da bloß um Himmels willen macht.

Wir bleiben dran.